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Der Anblick eines Raben, der auf einem Baum
saß, und der Geruch des Käses, den er im
Schnabel hatte, erregten die Aufmerksamkeit
eines Fuchses.
"Wenn du ebenso schön singst, wie du
aussiehst", sagte er, "dann bist du der
beste Sänger, den ich je erspäht und
gewittert habe."
Der Fuchs hatte irgendwo gelesen - und nicht
nur einmal, sondern bei den verschiedensten
Dichtern dass ein Rabe mit Käse im Schnabel
sofort den Käse fallen lässt und zu singen
beginnt, wenn man seine Stimme lobt. Für
diesen besonderen Fall und diesen besonderen
Raben traf das jedoch nicht zu.
"Man nennt dich schlau, und man nennt dich
verrückt", sagte der Rabe, nach dem er den
Käse vorsichtig mit den Krallen seines
rechten Fußes aus dem Schnabel genommen
hatte. "Aber mir scheint, du bist zu allem
Überfluss auch noch kurzsichtig. Singvögel
tragen bunte Hüte und farbenprächtige Jacken
und helle Westen, und von ihnen gehen zwölf
aufs Dutzend. Ich dagegen trage Schwarz und
bin absolut einmalig."
"Ganz gewiss bist du einmalig", erwiderte
der Fuchs, der zwar schlau, aber weder
verrückt noch kurzsichtig war.
"Bei näherer Betrachtung erkenne ich in dir
den berühmtesten und talentiertesten aller
Vögel, und ich würde dich gar zu gern von
dir erzählen hören. Leider bin ich hungrig
und kann mich daher nicht länger hier
aufhalten."
"Bleib doch noch ein Weilchen", bat der
Rabe. "Ich gebe dir auch etwas von meinem
Essen ab."
Damit warf er dem listigen Fuchs den
Löwenanteil vom Käse zu und fing an, von
sich zu erzählen.
"Ich bin der Held vieler Märchen und Sagen",
prahlte er, "und ich gelte als Vogel der
Weisheit. Ich bin der Pionier der Luftfahrt,
ich bin der größte Kartograph. Und was das
Wichtigste ist, alle Wissenschaftler und
Gelehrten, Ingenieure und Mathematiker
wissen, dass meine Fluglinie die kürzeste
Entfernung zwischen zwei Punkten ist.
Zwischen beliebigen zwei Punkten", fügte er
stolz hinzu.
"Oh, zweifellos zwischen allen Punkten",
sagte der Fuchs höflich. "Und vielen Dank
für das Opfer, das du gebracht, indem du mir
den Löwenanteil vermacht."
Gesättigt lief er davon, während der
hungrige Rabe einsam und verlassen auf dem
Baum zurückblieb. |